Flüchtlinge lernen Deutsch für den Arbeitsmarkt

Erster Sprachkurs für arbeitssuchende Flüchtlinge gestartet

tl_files/naf/bilder/artikel/kurs_2_web_200.jpg Schwerin, 26.03.2009 - Was muss ich bei einem Fax an Geschäftskunden beachten? Was bedeutet das Schild mit der Aufschrift "Fluchtweg" und was will die Chefin von mir, wenn Sie nach dem Sozialversicherungsausweis fragt? Diese Fragen werden Muhanad in den kommenden Wochen beschäftigen: Beim Schweriner Bildungsträger SBW lernt der Bauingenieur aus dem Irak seit wenigen Tagen gemeinsam mit fünf weiteren Flüchtlingen Deutsch speziell für den Arbeitsmarkt. Wie die meisten der Kursteilnehmer hat sich Muhanad sein Deutsch bislang selbst beigebracht. Denn Anspruch auf einen Sprach- oder Integrationskurs hatte der Flüchtling, der vor sechs Jahren nach Deutschland kam und lediglich geduldet ist, hier nicht. Jetzt hofft Muhanad, der in einer Pizzeria jobt, Wissenslücken zu schließen und so seine Chancen auf einen festen Arbeitsplatz zu zu erhöhen.

Der berufsbezogene Deutschkurs ist die erste Weiterbildung, die das neue Netzwerk Arbeit für Flüchtlinge in Westmecklenburg anbietet. Der aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds geförderte Verbund hat sich zur Aufgabe gemacht, die bislang kaum geförderte Gruppe der bleibeberechtigten und langzeitgeduldeten Flüchtlinge in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten seit November vergangenen Jahres sieben Partner aus dem Bereich Flüchtlingsarbeit, Beratung, Aus- und Weiterbildung sowie Personaldienstleistungen Hand in Hand. Die Partner begleiten jeden einzelnen Flüchtling von der Erstberatung über die berufsbezogene Sprachförderung und Qualifizierung bis hin zur Einarbeitung beim neuen Arbeitgeber. Um die Einstellungschancen für Flüchtlinge zu erhöhen, bemühen sich die Netzwerkpartner außerdem, Unternehmen in der Region für den kulturellen Hintergrund und die Potenziale ausländischer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu sensibilisieren.

Dass die Vermittlung der Flüchtlinge in Arbeit wahrscheinlich nicht einfach sein wird, wissen die Netzwerkpartner. In ihren Heimatländern haben die Kursteilnehmer als Sozialarbeiterin, Bauingenieur, Sekretärin, Qualitätskontrolleurin oder Apothekerin gearbeitet. In Deutschland werden diese Berufsabschlüsse nicht anerkannt. Die Mütter können zumeist nur in Teilzeit arbeiten, da sonst die Betreuung ihrer Kinder nicht gesichert ist. Auch ist ungewiss, ob alle Flüchtinge auf Dauer in Deutschland bleiben dürfen.

Netzwerkkoordinatorin Angela Leymannek (VSP) erklärt, warum die Flüchtlinge für einheimische Unternehmen dennoch eine interessante Zielgruppe sind. "Die Flüchtlinge, mit denen wir zusammenarbeiten, sind hoch motiviert. Sie wollen in Deutschland endlich ein normales Leben führen. Ihnen ist bewusst, dass sie hier aber nur eine Perspektive haben, wenn sie es schaffen, ihren Lebensunterhalt komplett eigenständig zu bestreiten", erläutert sie. Zudem mache sich in Mecklenburg-Vorpommern allmählich der Fachkräftemangel bemerkbar. In der Hotel- und Gaststättenbranche werde teils schon händeringend nach Personal gesucht, so Leymannek. Nicht zuletzt seien die Sprachkenntnisse der Flüchtlinge für das Tourismusland MV ein wertvolles Kapital.

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